Vinyl-Fehler erkennen: Bubbles, Dimples und Randabsplitterungen
Wer gebrauchte Schallplatten kauft, kennt dieses mulmige Gefühl: Sieht die Platte eigentlich gut aus, oder übersehe ich gerade einen Fehler, der mir beim ersten Abspielen die Laune verdirbt? Nicht jeder Mangel zeigt sich auf den ersten Blick. Manche Pressfehler verstecken sich regelrecht und verraten sich erst, wenn die Nadel schon in der Rille sitzt. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Pressing Bubbles, Dimples und Randabsplitterungen (Edge Chips) bereits vor dem Kauf zuverlässig aufspüren, damit Ihr Geld nicht in einer Platte landet, die später knistert, springt oder an derselben Stelle hängen bleibt.
Was sind Pressing Bubbles?
Pressing Bubbles entstehen während der Herstellung, wenn Luft zwischen den beiden Plattenhälften eingeschlossen bleibt, noch bevor das Vinyl vollständig durchgepresst ist. Das Resultat: eine kleine, meist runde Erhebung oder Luftblase im Vinyl, oft kaum größer als eine Linse, manchmal aber auch deutlich auffälliger.
So erkennen Sie Bubbles:
- Platte schräg gegen eine Lichtquelle halten und die Oberfläche im flachen Winkel betrachten. Erhebungen werfen Schatten, die sich leicht abzeichnen.
- Mit der Fingerkuppe sanft über die Rillen streichen. Eine Bubble fühlt sich an wie eine winzige Beule unter der Haut.
- Bei starkem Gegenlicht zeigen sich Bubbles oft als trübe, leicht aufgewölbte Flecken, fast wie kleine Blasen unter Frischhaltefolie.
Kleine Bubbles außerhalb der Rillenspur sind meist kein Problem, da sind sich auch erfahrene Sammler einig. Liegt die Blase jedoch direkt in der Rillenführung, kann die Nadel überspringen oder stecken bleiben. Das ist dann ein klares Ausschlusskriterium, egal wie günstig das Angebot ist.
Dimples: Die unscheinbaren Dellen
Dimples sind kleine, meist kreisrunde Vertiefungen, die oft durch unsachgemäße Stapelung, Hitzeeinwirkung oder Druck während der Produktion entstehen. Anders als Bubbles wölben sie sich nach innen statt nach außen, quasi das Gegenstück.
Erkennungsmerkmale:
- Dreht man die Platte im Licht, erscheinen Dimples als kleine, dunkle “Dellen”, die den Lichtreflex unterbrechen. Man sieht förmlich, wie der Glanz an dieser Stelle abreißt.
- Mit dem Finger ertastbar als leichte Mulde. Besonders in ruhigen Passagen der Musik macht sich ein Dimple als dumpfes Knacken bemerkbar, fast wie ein kleiner Herzschlag im falschen Takt.
- Häufig genau dort zu finden, wo Platten beim Transport oder schon in der Fabrik aufeinanderlagen, also eher Richtung Rand als in der Mitte.
Ein Dimple in der Einlaufrille stört selten jemanden. Liegt er jedoch mitten im Musikbereich, führt er fast immer zu einem hörbaren, sich wiederholenden Ticken, das einem schnell auf die Nerven geht.
Randabsplitterungen (Edge Chips) prüfen
Edge Chips sind abgebrochene oder abgesplitterte Stellen am äußeren Plattenrand. Sie entstehen meist durch unsachgemäße Handhabung, Transportschäden oder weil die Platte zu hastig aus einer viel zu engen Innenhülle gezogen wurde.
Worauf Sie achten sollten:
- Den gesamten Rand mit den Fingern abtasten, langsam und konzentriert. Selbst winzige Unebenheiten lassen sich so finden.
- Die Platte gegen das Licht drehen und den Umfang Stück für Stück inspizieren, denn kleine Chips sind oft nur 1 bis 2 Millimeter groß und leicht zu übersehen.
- Prüfen, ob der Chip bis in die äußerste Rille reicht. Dann verursacht die Nadel beim Auflegen oder zu Beginn des ersten Tracks hörbare Knackser, manchmal auch ein kurzes Aussetzen.
Kleine kosmetische Chips am äußersten Rand, die nicht bis in die Rille reichen, beeinträchtigen den Klang in aller Regel nicht. Hier reicht ein geringfügiger Preisnachlass völlig aus.
Praktische Checkliste vor dem Kauf
- Platte immer bei gutem, indirektem Licht betrachten, im Winkel von etwa 30 bis 45 Grad.
- Mit sauberen, trockenen Händen über die gesamte Oberfläche streichen, nicht nur flüchtig drüberwischen.
- Den Rand komplett abtasten, nicht nur die sichtbare Vorderseite anschauen.
- Bei Online-Käufen gezielt nach Fotos der Ränder und Nahaufnahmen bei Streiflicht fragen, am besten direkt beim Verkäufer nachhaken.
- Nach dem verwendeten Grading-Standard fragen (zum Beispiel Goldmine Standard) und ob Pressfehler separat vermerkt wurden.
- Wenn möglich, die Platte vor Ort anhören lassen, besonders bei teureren Pressungen lohnt sich das immer.
Fazit
Bubbles, Dimples und Randabsplitterungen sind klassische Pressfehler. Sie fallen nicht immer sofort auf, können den Hörgenuss aber empfindlich stören. Mit einem systematischen Licht-Check, dem Abtasten der Oberfläche und ein paar gezielten Fragen an den Verkäufer lassen sich die meisten Mängel schon vor dem Kauf zuverlässig erkennen. Wer diese Schritte konsequent anwendet, erspart sich so manche Enttäuschung und steckt sein Geld in Vinyl, das am Ende wirklich gut klingt.